Vom Suchen und Finden

Ich suche nicht, ich finde.

Suchen, das ist das Ausgehen von alten Beständen

und ein Findenwollen von bereits Bekanntem.

Finden, das ist das völlig Neue.

Alle Wege sind offen, und was gefunden wird,

ist unbekannt.

Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer:

Die Ungewissheit solcher Wagnisse

können eigentlich nur jene auf dich nehmen,

die sich imUngeborgenen geborgen wissen.

Pablo Picasso 

(entdeckt in Hartmann, Knieling: Gemeinde neu denken. Geistliche Orientierung in wachsender Komplexität)

Kreativität

 

Du siehst Dinge und fragst ‚Warum?‘, doch ich träume von Dingen und sage “Warum nicht?” George Bernard Shaw

Kommunikation des Evangeliums: Ein Wunsch

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Nach den Katholiken versammeln sich nun auch die Protestanten dieser Tage synodal. Die Synode der EKD trifft sich vom 06.-12. November 2014 in Dresden zu Beratungen um das Thema „Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft.Ich darf dort am 07. November von Kirchehochzwei als digitalem Praxisbeispiel berichten.

 

Flashback

Die Einladung hat mich sehr gefreut. Denn ich erinnere mich noch gut, dass man mir im Vikariat verbot … eindringlich nahelegte, meine Internetpräsenz in Form meines Blogs und die Nutzung von Twitter einzustellen oder mindestens stark einzuschränken. Ich habe den Mix aus dienstlicher Anweisung und (Zitat:) „gutem Rat“ damals nicht verstanden, geschweige denn die Herleitung und inhaltliche Begründung, dieser Entscheidung. Sie beschnitt mich in meinen Gaben, meinem privaten Interesse und in dem, was ich für eine (neben vielen anderen) legitime Form der Glaubenskommunikation hielt und halte.

Jetzt, nur acht Jahre später, darf ich vor der Synode zu diesem Thema als Expertin sprechen und werde im Lesebuch, dass anlässlich der Synode herausgegeben wurde, als Beispiel erwähnt (übrigens in der Rubrik „Praxistipps für Gemeindemenschen, stilvolle Grafiken und freche Cartoons zur Frohen Botschaft“). Ich spüre einen Haltungswandel. Die Entscheidung der EKD, Netzaffinität mit christlicher Nachfolge (und Mission?) in Beziehung zu setzen und sich im wichtigsten Gremium der evangelischen Kirche in Deutschland damit zu befassen, berührt mich.

Jetzt, nur acht Jahre später, veröffentlicht die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands eine Stellenausschreibung, in der sie einen Social-Media Koordinator suchen. Explizit! Keinen Öffentlichkeitsarbeiter, der „ein bißchen Facebook macht“ oder einen Pressemenschen, „der sich auch um die Homepage kümmert“. Nein, explizit einen „Social-Media Koordinator“.

Jetzt, nur acht Jahre später, lädt das Haus Kirchlicher Dienste der Hannoverschen Landeskirche für ihre jährliche Referentenkonferenz acht Social-Media Experten aus dem inner- und außerkirchlichen Bereich ein, um einen Austausch rund um das Themen Social Media anzuregen und alle Referenten qualifiziert schulen zu lassen. (Das herausragende Eingangsreferat des Tages findet sich hier).

Nur drei Beispiele, über die ich mich aufrichtig freue!
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Tanzende Priester und andere Internet Sensationen

Auf verschiedenen Kanälen schwappte mir eine sogenannte „neue Internet Sensation“ in die Timelines:

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Mir erschließt sich gerade noch nicht, was daran eine Sensation sein soll.
Klar, die Jungs machen das sehr nett. Aber hey: Letztlich werden da nur ein paar tanzende Männer gezeigt, die sich putzig steppend bewegen, während ihre Kollegen dazu singen.  Sind also tanzende Männer an sich eine Sensation?

Ich schätze, was sie zur „Sensation“ macht, ist ihr Beruf. Es sind eben nicht nur tanzende Männer, sondern tanzende Priester! Was ist aber daran so besonders? Und vor allem: was kommt als nächstes? Kaffeetrinkende Pastorinnen? Singende Ordensleute ach nee, die italienische singende Nonne gibts ja schon. (auch übrigens schon vorher!)

Wenn wir sowas unter dem Deckmäntelchen „OhWiePutzig“ teilen, perpetuieren wir Gemeindemitgliedervorurteile, die annehmen, man habe kein Privatleben jenseits von Gemeinde, keine Hobbies und Interessen. Ich erinnere mich noch gut, wenn ich mit einem Ohrwurm pfeifend das Gemeindehaus aufschloss und die Konfirmanden geradezu entsetzt waren, dass ich ein Lied aus den aktuellen Charts kannte. „Stellt euch vor, ich habe auch ein Radio, ich habe sogar ein Spotify-Abo und ich höre nicht nur ‚Ein feste Burg ist unser Gott’….“

Das Pfarrerbild entsteht eben nicht nur in Amtstheologie und Dienstvereinbarungen sondern auch auf der Straße, durch uns und die Art und Weise, wie wir uns in der geistlichen Rolle verstehen und über andere urteilen. Ich möchte in Zukunft häufiger solche steppenden Priester teilen mit dem Hinweis „EIL+EIL+ Keine Sensation +Eil+Eil“.

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