Kirche 21

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Am Wochenende fand in Berlin Kirche 21 statt.
Thematisch drehte sich alles um Perspektiven, Visionen und Veränderungen.
Es war eine sehr gut organisierte Sache. GJW (Gemeindejugendwerk des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland) als Veranstalter sowie die Gemeinde in Schöneberg als Gastgeberin waren eine optimale Kombi.

Spanned war der Aufbau bzw. die Struktur der Veranstaltung:
Beginn- und Schlußveranstaltung hatten spirituelle Schwerpunkte. (Beginn mit liturgischen Elementen und Abendmahl, Schluß in Form eines Gottesdienstes mit Predigt des Hauptredners).
Dies gab den thematischen und inhaltlichen Angeboten noch einmal einen anderen Hintergrund. Hat mir sehr gefallen.

Das Programm am Samstag war dann untergliedert in Plena, die der Wissensvermittlung dienten. So z.B. das Referat von Kester Brewin oder auch den Innovationspool bei dem fünf „Experten“ ihre jeweiligen Gemeinde oder Dienste vorstellten.

Zudem gab es noch die Möglichkeit an Workshops teilzunehmen. Die Inhalte waren breit gefächert: „Die Welt liegt im Wandel – nur meine Gemeinde hat es verpasst?“, „Gottesdienst mit Leib und Seele – Bausteine aus dem Mittelalter“, „LEIHGABE – Wie gehen wir mit dem um was uns anvertraut ist?“, „Vaux: Story of a TAZ“, „Viele Quellen hat der Strom – den Reichtum christlicher Spiritualität entdecken“, „Gemeinde: Offen für alle? – Am Beispiel Homosexualität“, „Bibliolog – eine neue Form der Bibelbegegnung“, V“erantwortung für das Gemeinwesen – Kirche als politischer Akteur“, „Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder“. Hier wurden inhaltliche Auseinandersetzungen mit Diskussionen und dem Selbsterfahren und Ausprobieren verschränkt. Viel Interaktives. Schön!

Außerdem standen parallel während der gesamten Zeit sogenannte Denk- und Erlebnisräume offen. Die 12 Räume sollten die kreative oder meditative Auseinandersetzung anregen:
Kirche 21 – Videobox, Kirche 21 –Twitter, Moderne und Postmoderne erleben, Raum der Stille, Deine Meinung, Das Labyrinth, Gemeindeberatung & Seelsorge, Abschied und Neuanfang, 95 Thesen, Alltagsspirituatlität, Kreativraum, Lounge. Die Räume waren alle sehr liebvoll eingerichtet. Mit viel Phantasie und Liebe zum Detail wurden hier Reflektionsflächen geschaffen.

Am Samstag Abend wurde noch einmal in einem sehr dichten Block evaluiert, jedem einzelnen wurden Beteiligungsfenster geschaffen. Der Abend wurde dann spirituell durch ein Körpergebet abgeschlossen, dann ging es mit Sekt und Eis zum gemütlichen/feierlichen Teil über.

All in all war es wirklich sehr inspirierend. Dazu haben insbesondere Kester Brewin als Hauptredner und zum zweiten an den vielen Bloggern, die ich endlich einmal treffen konnte.

Kester Brewin hat viel von der Gemeinschaft Vaux berichtet, einer emergenten Gemeinschaft aus London, die sich viel mit Fragen des Alternative Worships und der Dekonstruktion von Leiterschaft befasst hat. Er hat das Buch Complex Christ verfasst (Hat mir bei der Examensarbeit gute Dienste geleistet).
Seine Inputs waren toll. Ausgehend von einigen Aussagen des Buches (Übertragung des Stufenmodells nach Fowler und der zwei Lebenshälften nach Richard Rohr), schilderte er anschaulich die Risse des Lebens, die notwendig sind, um zu reifen und um Neues hervorzubringen.
So zitierte er die Geschichte des verlorenen Sohnes als Beispiel zweier Verlorener. Verloren dadurch, dass sie selbstzentriert noch nichts nach außen wirkendes hevorgebracht haben. Nicht der Vater verliert seine Söhne, sondern diese selbst, da sie keine „Väter“ von etwas oder jemandem sind. Spannend!

In seinem Workshop ging es noch einmal dezidiert um Vaux und das TAZ Prinzip (Temporary Autonomous Zones). Das war auch sehr spannend, habe Lust, da weiter drüber nachzudenken. Habe als Rückfrage auch das Verhältnis von „Temporary“ und „Traditional Heritage“ problematisiert.

Ja und zum zweiten waren die Begegnungen meines virtuellen Sozial-Netzwerkes einfach wunderschön!
Daniel hat es ja auch schon beschrieben:

Eine sehr besonderer Aspekt solcher Veranstaltungen ist es für mich immer, dass sie Gelegenheiten bieten Menschen zu treffen die man entweder sehr selten sieht, oder solchen das erste mal vor Ort zu begegnen die man bereits zu seinen engen Freunden zählt da man sich bereits seit Jahren auf Blogs unterhält oder aber über Twitter an ihrem Alltag Anteil nimmt. Solche Begegnungen gab es an diesem Wochenende einige und ich habe es sehr genossen mit der Einen oder dem Anderen manches Gespräch zu führen, Kaffee zu trinken…


So habe ich es auch empfunden. Einerseits hat man sich noch nie gesehen und neigt dazu bei oberflächlichen Smalltalk/Kennlernthemen einzusteigen – dabei kennt man sich ja eigentlich doch. Die Personen, ihren Alltag und ihr Leben sind einem durch Blogs und Twitter vertraut, einzig, wie jemand aus Bierfaschen trinkt, wie sein Lachen klingt und oder wie hibbelig jemand auf dem Stuhl wippend einem Vortrag lauscht sind unbekannte Facetten. Fremd und doch vertraut.
Das war sehr spannend und schön.
Habe überlegt, ob man nicht ein neues Wort erfinden sollte. Für diese Menschen. Für die Zeit des engen virtuellen Alltagsteilens und warmherigen Anteilnehmens im web 2.0, bis man sich wirklich begegnet (dann kann m.M. nach wirklich Freundschaft entstehen.) Für das Stadium vorher braucht man ein anderen Wort.
Any Ideas?

Na jedenfalls war es ein wunderbares Wochenende. Hab viel mitgenommen zum weiterdenken und im Herzen bewegen.

2 Gedanken zu »Kirche 21«

  1. pastorsandy sagt:

    [quote comment=““]wie wäre es mit dem wort „webgefährten“? [/quote]
    ja, das finde ich nicht schlecht. webgefährten. muß mal gucken ob es passt – so im alltagssprachgebrauch.

  2. danieltreb... sagt:

    wie wäre es mit dem wort „webgefährten“? ist mir gerade dazu eingefallen. vielleicht gibt es das ja auch schon. war auf jeden fall schön dich kennenzulernen, auch wenn wir vorher noch keine webgefährten waren, dafür durchaus das potential einer freundschaft besteht. lg daniel

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