semper reformanda

Vor gut einem Jahr hatte Dan Kimball mal über eine Veranstaltung mit Jugendleitern der Lutherischen Missouri Synod in Amerika berichtet. Er erzählte damals von einem Podium, wo über das Thema „Was würde Martin Luther tun und worauf würde er sich konzentrieren, wenn er heute eine Gemeinde beginnen und leiten würde?“

Er nennt als Punkte die ihm einfielen und die es zu reflektieren gilt:

  • What would be the theological issues would be his concerns and what he would be taking stands for (or against) in today’s current theologically diverse landscape?
  • Would he write music as he did then using the cultural music genres of his day (he wrote classic hymns such A Mighty Fortress is our God)? Would we see Martin Luther hip hop worship songs? Or Martin Luther rock worship songs? Would he listen to mainly contemporary Christian pop worship music on his iPod?
  • Would he find local pubs and as part of his ministry hold „Theology pubs“ and drink beer with people while discussing theological topics? (It is common knowledge he did like beer).
  • If Martin Luther was a youth pastor today, where would he be getting in trouble in his church? What changes would be want to make to the average church if he was a 29 year old young pastor going into the average church in today’s culture?
  • Would Luther change the lay out of a church meeting place and take out the pews and when he preached he wouldn’t want to preach from behind those large pulpits in some churches?
  • Would a 29 year old Luther wear a suit when preaching in today’s culture? Would he ever wear a robe? Would he wear jeans in Sunday church meetings?
  • If he was a youth pastor, would he be on staff at John MacArthur’s church? Would he cause trouble there or fit in there? Would be on staff at Mars Hill Seattle or Mars Hill Grand Rapids and fit in one of them? Where would he choose to go to seminary today?
  • Would Luther be taken seriously only being in his late 20’s to make major change in established churches today? Would his innovation and desire to make the changes needed to communicate the gospel in our culture today be stifled and not listened to by senior pastors and elders at the local church he would be serving at?
  • Would he stay in the Lutheran denomination?

(Zitat: Dan Kimball)

„Was würde Martin Luther tun und worauf würde er sich konzentrieren, wenn er heute eine Gemeinde beginnen und leiten würde?“
Eine spannende Frage. Ab und an habe ich immer wieder drüber nachgedacht. Mittlerweile auch das Buch von Klaus Douglass gelesen. („Die neue Reformation. 96 Thesen zur Zukunft der Kirche.“ (Klaus Douglass)) Habe es als sehr anregend empfunden.

In den ersten zwei Wochen dieses Jahres begegnete mir das Thema Reformation noch einmal neu. Ich habe Auszubildende der Verwaltung unserer Landeskirche im Fach „Leben und Lehre in der Kirche“ unterrichtet. Dieses Fach ist für kirchliche Verwaltungsangestellte in der Ausbildung obligatorisch und soll ihnen einen weiteren Zugang zu den Themenfeldern ermöglichen, mit denen sie täglich zu tun haben – nur eben nicht schwerpunktmäßig in punkto Verwaltung und Bürokratie, sondern eben von Seiten der Kirche und des gemeindlichen Lebens her. (Lernfelder: Kirchenjahr, Gottesdienst, Gesangbuch, Bibel, Lutherische Kirche und ihre Tätigkeitsfelder, Luther und Reformation, Kasualien, Sakramente – Abendmahl und Taufe).
Das Unterrichten hat großen Spaß gemacht. Meistens bekommt man ja beim Vermitteln noch mal die Chance, eigene blinde Flecken zu entdecken/erhellen, Interessen zu vertiefen. Durch die motivieren Auszubildenden habe ich in den lebhaften Unterrichtsgesprächen echt noch mal viel dazugelernt.
In Erinnerung ist mir besonders der Blocktag zum Thema Reformation geblieben.
Aufgabe war: „Seien Sie selbst Martin Luther. Welche 10 Thesen würden Sie heute zur Reformation der Kirche diskutieren wollen?“

Hier einige der Antworten des Brainstormings:

Bereich Gottesdienst

• Mehr Themengottesdienste
• Variablere Gottesdienstzeiten
• Schönere Gestaltung (individueller, nicht 0-8-15)
• Gospelgottesdienste
• Gottesdienste sollen „Feiercharakter“ ausbauen, nicht so traurig und ernst sein

Bereich Gemeindearbeit und Landeskirche

Konzerte, „Aufführungen“ und Programme in Gemeinden fördern
Mehr „Kirche zum Mitmachen“ (Projektartige Mitarbeit)
Mehr Gemeindefeste (wir feiern zu wenig)
Ausweitung der Arbeit an Schnittstelle Schule um Jugend zu erreichen
Mehr Jugendarbeit in Form von Jugendgottesdiensten
Mehr Jugendarbeit in Form von offenen Treffs
Verbesserung des Religionsunterrichtes (Viele Stunden werden leider gestrichen oder fallen aus. Außerdem Wunsch nach besser ausgebildeten Lehrer, die sich auch mit Kirche identifizieren)
Strukturell eine größere Flexibilität der Arbeit der Pastoren ermöglichen. (Interessen- und gabenspezifischer Einsatz auf regionaler Ebene)
Professionellere/Effektivere Öffentlichkeitsarbeit
Mehr inhaltliche Profilierung und „Aufklärung“ (Bezugspunkte für Nicht-Christen herstellen)
Gleichgeschlechtliche Ehen/Segnungen möglich machen

Ein schöner Querschnitt an Meinungen und Priosetzungen von Kirchenmitgliedern im Alter von 20-30 der evangelisch-lutherischen Landeskirche.

Ein Gedanke zu »semper reformanda«

  1. Christoph sagt:

    Spannende Idee, sich in Persönlichkeit zu versetzen, die eine umwälzenden Bewegung auslöste und dann zu fragen, was dieser Mensch wohl heute tun würde. Werd sie klauen, die Idee…
    Bei dem Thesen-Brainstorming fällt mir auf: die Teilnehmer schienen alle recht Veranstaltungs-orientiert zu denken. Es geht mehr um äußere Form als um innere Reform, oder? Das klingt noch nicht sehr nach dem revolutionärem Luther-Geist …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

fünfzehn + neunzehn =

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.