Hol‘ mir mal ne Flasche Bier

… sonst streik ich hier.

Gerhard Schröder

Biergläser

 

Ich war kürzlich in einem asiatischen Land im Urlaub. An der Bar bestellte ich zwei Bier und trug dann erstaunt die Ausbeute meiner Bestellung an den Tisch meiner weiblichen Reisebegleitung und mir:

Zwei Flaschen Bier und zwei unterschiedliche Biergläser (Originalbild oben).

Wir fanden dies ungewöhnlich, rechneten aber mit einem Glasengpass oder ähnlichem und dachten uns nichts dabei. Dieser Vorgang wiederholte sich nur in den kommenden Tagen immer wieder: Eine von uns beiden bestellte zwei Bier, wir erhielten immer zwei unterschiedliche Gläser.

Erst als wir beiden in einem Restaurant am Tisch bestellten, bekamen wir zwei gleiche Gläser zum Bier. Kleine geschwungene Gläser, beide ohne Henkel.

Wir fragten uns nach dem Hintergedanken. Ein paar Tage Feldstudien und intensive Untersuchungen mit jeweils unterschiedlichen Versuchskonstellationen und Bestellungen zeigte deutlich:

Wenn eine Frau zwei Bier bestellte, bekam sie immer zwei unterschiedliche Gläser. Ein Henkel Glas, als „Männerglas“ mit größerem Fassungsvermögen und ein tailliertes,  kleineres „Frauenglas“. An der Bar ging man also in keinem der Fälle davon aus, dass eine Frau ohne männliche Begleitung reist und stellte der Frau daher jeweils auch das Bierglas für den Mann bereit.

Zwei Bier für die Frauen vom Sägewerk

Ich fand dies in doppelter Hinsicht interessant:
Zum einen fragte ich mich, warum der Biergenuss den beiden Geschlechtern gastronomisch unterschiedlich ermöglicht werden muss. Sind wirklich zwei unterschiedliche Glasformen nötig? Brauchen Männer einen Bierhumpen, um besser festhalten zu können und die Damen eher ein grazileres Modell, vielleicht damit der Schmuck an der Hand zur Geltung kommt? Ich hätte, obwohl ich eine Frau bin, ein Henkelmodell bevorzugt, weil darin das Bier länger kühl blieb. Aber das nur am Rande. In meiner kurzen Recherche fand ich keine Hinweise, dass in der Gastronomie das Eindecken mit unterschiedlicher Glasware für männliche und weibliche Gäste üblich ist. Mir würde auch kein Grund einfallen, warum es notwendig wäre.

Zum anderen fand ich es bezeichnend, dass man in einem touristisch erschlossenen Land, das unterschiedlichste Gäste aus aller Welt anzieht, automatisch davon ausgeht, dass eine bierbestellende Frau immer in männlicher Begleitung sein muss. Leider konnten wir nie die Gegenprobe machen und sehen, welche Gläser ein Mann erhält, der zwei Bier bestellt. Vielleicht beim nächsten Mal.
Die Gegenprobe andersherum haben wir erbracht. Als man uns an der Bar schon als Frauenreiseduo kannte, bekamen wir immer zwei „Frauengläser.“

Geb’n se dem Mann am Klavier noch en Bier

Auf meinen letzten Post zur Genderdebatte habe ich viele Rückmeldungen erhalten. Durch dieses Erlebnis im Urlaub habe ich erneut bemerkt, wie wichtig diese Themen sind. Deutlich möchte ich sagen, ich schreibe diesen Post nicht, um die Kellner an der Bar bloß zustellen und auch nicht die reisenden Frauen, die für ihren Mann ein Bier kaufen, es geht mir eher um grundsätzliche Erwartungen und Stereotype.

Ein Gedanke zu »Hol‘ mir mal ne Flasche Bier«

  1. riepichiep sagt:

    Faszinierend!

    Wobei ich den Gedanken „verschiedene Gläser für das gleiche Getränk“ durchaus verstehen kann – allerdings unter dem Aspekt, dass es so vielleicht seltener zu Verwechslungen kommt.

    Was mir in dem Artikel fehlt: War denn in beiden das Gleiche drin und war der Preis jeweils gleich?

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