Du bist schön

Nächste Woche beginnt die Fastenzeit. In diesem Jahr steht die Fastenaktion „7 Wochen ohne“ der EKD unter dem Titel „Du bist schön – Sieben Wochen ohne Runtermachen.“ Ich hab den Kalender schon bestellt und freu mich drauf.

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Bild: 7 Woche ohne (http://www.siebenwochenohne.de/download

Wahrscheinlich vollkommen unabhängig davon, jedoch ziemlich zeitgleich startet auf RTL eine neue Show mit dem Titel „Deutschlands schönste Frau.“ Dabei SOLL es sich, laut Moderator Guido-Maria Kretschmer explizit nicht um eine Castingshow im eigentlichen Sinne handeln, sondern um eine Auseinandersetzung mit Schönheitsidealen, unabhängig von Alter, Konfektionsgröße und eigenem Stil. Wie das dem Sender gelingen kann, wird sich zeigen.

Grundsätzlich halte ich Guido-Maria Kretschmer für einen der wenigen Meinungsmacher im zweifelhaften Mode-Zirkus, der ein ansatzweise verträgliches Menschenbild und insbesondere Frauenbild vertritt. Die Modekollektion des Designers im Jahr 2012/2013 trug den Titel „Okapi“.

„Das Okapi ist ein Ding. Ich geh‘ ja gern in den Zoo. Das (Okapi) ist für mich, wie ganz viele Frauen sind. Weißt du, warum ich das so liebe? Weil das eines der schönste Tiere ist, das kaum einer kennt. Die sind so schön verbaut. Das ist so wie viele Frauen auch. Du kannst wunderschön sein und trotzdem sind die Beine zu kurz und oben zu dick – und trotzdem bist du ’ne Traumfrau. Ein Okapi ist eigentlich auch so. Es hat diese wunderschönen Augen. (…) Eigentlich ist es ein bisschen Zebra, ein bisschen Antilope, bisschen Gremlin. Und ich kenn auch viele Frauen, die haben ne super Oberweite, aber die Beinchen sind ein bißchen dick geworden bei der Verteilung. (…) So sind Menschen. Hübsch und manchmal auch nicht perfekt.“

(Guido-Maria Kretschmer. Ausschnitt aus Inas Nacht – ab Minute 06:27).

Bei anderen Shows wie „Shopping Queen“ war es Kretschmer schon anzumerken, wie schwer es in derartig oberflächlichen Formaten ist, unabhängig von Schönheitsidealen und modischen Geschmacksvorstellungen, eine wertschätzende Haltung zu bewahren. Der Modedesigner und Moderator setzt sich diesen herausfordernden Situationen immer wieder bewusst aus (- und man muss es ja auch mal deutlich sagen: er verdient sein Geld damit!).

Wir anderen erleben die Schubladisierung im Alltag, bewusst und unbewusst. Oft klemmt es bei der Selbstwahrnehmung oder der Wertschätzung anderer. Wir sind eben doch viel stärker normativen Schönheitsidealen und daraus entstehendem Druck unterworfen, als wir wahrhaben wollen. Daher sind die „7 Wochen ohne Runtermachen“ eine gute Chance zur Selbstreflexion.

Ob man sich also die neue Show auf RTL ansieht, ein Okapi im Zoo besucht oder einen Blick in den neuen Fastenkalender zum Thema wirft, bleibt jedem selbst überlassen.

 

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