Kommunikation des Evangeliums: Ein Wunsch

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Nach den Katholiken versammeln sich nun auch die Protestanten dieser Tage synodal. Die Synode der EKD trifft sich vom 06.-12. November 2014 in Dresden zu Beratungen um das Thema „Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft.Ich darf dort am 07. November von Kirchehochzwei als digitalem Praxisbeispiel berichten.

 

Flashback

Die Einladung hat mich sehr gefreut. Denn ich erinnere mich noch gut, dass man mir im Vikariat verbot … eindringlich nahelegte, meine Internetpräsenz in Form meines Blogs und die Nutzung von Twitter einzustellen oder mindestens stark einzuschränken. Ich habe den Mix aus dienstlicher Anweisung und (Zitat:) „gutem Rat“ damals nicht verstanden, geschweige denn die Herleitung und inhaltliche Begründung, dieser Entscheidung. Sie beschnitt mich in meinen Gaben, meinem privaten Interesse und in dem, was ich für eine (neben vielen anderen) legitime Form der Glaubenskommunikation hielt und halte.

Jetzt, nur acht Jahre später, darf ich vor der Synode zu diesem Thema als Expertin sprechen und werde im Lesebuch, dass anlässlich der Synode herausgegeben wurde, als Beispiel erwähnt (übrigens in der Rubrik „Praxistipps für Gemeindemenschen, stilvolle Grafiken und freche Cartoons zur Frohen Botschaft“). Ich spüre einen Haltungswandel. Die Entscheidung der EKD, Netzaffinität mit christlicher Nachfolge (und Mission?) in Beziehung zu setzen und sich im wichtigsten Gremium der evangelischen Kirche in Deutschland damit zu befassen, berührt mich.

Jetzt, nur acht Jahre später, veröffentlicht die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands eine Stellenausschreibung, in der sie einen Social-Media Koordinator suchen. Explizit! Keinen Öffentlichkeitsarbeiter, der „ein bißchen Facebook macht“ oder einen Pressemenschen, „der sich auch um die Homepage kümmert“. Nein, explizit einen „Social-Media Koordinator“.

Jetzt, nur acht Jahre später, lädt das Haus Kirchlicher Dienste der Hannoverschen Landeskirche für ihre jährliche Referentenkonferenz acht Social-Media Experten aus dem inner- und außerkirchlichen Bereich ein, um einen Austausch rund um das Themen Social Media anzuregen und alle Referenten qualifiziert schulen zu lassen. (Das herausragende Eingangsreferat des Tages findet sich hier).

Nur drei Beispiele, über die ich mich aufrichtig freue!

Eine Beobachtung auf der Metaebene

Die Textgrundlage der Beratungen der Synode kommt als sogenanntes „Lesebuch“ daher. Auf mich wirkt die Titelwahl ein wenig märchenhaft („es war ein mal“), die Aufmachung, grafische Gestaltung und Visualisierung sind hingegen ansprechend und professionell. Wie steht die zeitgemäße Gestaltung im Verhältnis zur Titelwahl, zu einem Glossar, in dem Begriffe ‚WLAN‘, ‚Suchmaschine‘, ‚Smartphone‘ erklärt werden und in dem sechs „Vorurteile über das Internet“ entfaltet werden? Manifestieren sich hier nicht zusätzlich die Ungleichzeitigkeit aus unterschiedlichem Vorwissen und divergierenden Vorerfahrungen, Erwartungen und Ängsten bzgl. der Nutzung sozialer Medien? Eine Synode, als breite demokratische Repräsentanz der Protestanten ist nun einmal heterogen zusammengesetzt. Hier spiegeln sich die Ungleichzeitigkeiten wieder. Gut so! Dennoch wird ein Aufsichtsratmitglied der ARD sicherlich nicht dafür plädieren, die Ausstrahlung des Fernsehprogramms auszusetzen, bloss, weil es nicht versteht, wie eine Kamera bedient wird.

Ich wünsche ich mir keinen schwachen Konsens, sondern eine ehrliche Auseinandersetzung, die auch die Grundthemen der digitalen Debatte nicht vergisst. Denn es geht meiner Meinung nach nur zweitrangig um Webpräsenzen und Facebook-Accounts unserer Kirchen, sondern um eine zeitgemäße Form der Kommunikation des Evangeliums von Jesus Christus. Für einige Synodale mögen technisches Vorwissen und praktische Erfahrung im Umgang mit sozialen Medien nicht vorhanden sein, eine Auseinandersetzung mit den Grundfragen unserer veränderten Kommunikationskultur und theologischen Referenzen und daraus folgenden praktischen Schlussfolgerungen kann jedoch niemanden erspart bleiben. Es es handelt sich hier nicht um ein neues Phänomen, sondern um eine Dienst- und Lebenswirklichkeit Vieler. Gerne verweise ich hier auf den weiterführenden und (leider) immer noch aktuellen Artikel im Deutschen Pfarrerblatt 02/2013, der auch im Lesebuch Veröffentlichung findet.

 

Ich habe einen Wunsch

Bitte nicht vorschnell auf den verlockenden Zug aufspringen!

Ich freue mich über jedes Engagement in und um digitale Themen in unseren Kirchen.

Aber noch mehr freue ich mich über ehrliche und professionelle Diskurse. Denn diese sind nötig. Gerade auf Grund der Ungleichzeitigkeiten. Wir brauchen keinen oberflächlichen Haltunsgwechsel in Bezug auf digitale Themen à la „Wir sind dann jetzt eben auch auf Facebook,“ sondern eine tiefergehende Reflexion über Grundentscheidungen, die diesen digitalen Themen zugrunde liegen.

Im Kundgebungsentwurf der Synode werden einige wichtige Bereiche ausgehend von Fragestellungen und These angestoßen.

  • „In der digitalen Gesellschaft verändert sich Kommunikation“
  • „Das Internet erleichtert die Kommunikation des Evangeliums“
  • „In der digitalen Gesellschaft verändert sich Kirche“
  • „Die Kommunikation des Evangeliums vollzieht sich medial vermittelt“
  • „Die Digitale Gesellschaft braucht einen Diskurs über Privatheit und Öffentlichkeit“
  • „Der Datensammlung und Auswertung müssen Grenzen gesetzt werden“
  • „Die digitale Gesellschaft braucht digitale Bildung“
  • „Das Evangelium braucht digitale Zeugen und Zeugnisse“
  • „Die Technik gebrauchen in christlicher Freiheit“

@Ralpe Reimann hat dies an ausgewählten Beispielen bereits kommentiert.

Ich möchte dies verstärken:

Als Gutenberg den Buchdruck erfand, veränderte dies nicht nur die Kommunikationsmöglichkeiten, sondern auch die Kommunikationskultur. Er warf damit Grundfragen nach Partizipation, Machtverteilung und Dezentralität auf. Diese (und ähnliche) sind auch heute die Fragen an die wir uns wagen müssen. Die Zeit ist reif. Mehr als reif.

Ich wünsche der Synode gute Beratungen!

 

 

 

 

3 Gedanken zu »Kommunikation des Evangeliums: Ein Wunsch«

  1. […] Max Melzer bin ich noch einmal auf die Beiträge von Sandra Bils und von den EKD-Jugenddelegierten zur digitalen Agenda der evangelischen Kirche gestoßen, die ich […]

  2. […] Diese ersten Begegnungen wurden von der theologischen Netzgemeinde skeptisch beobachtet. Es ist ein langer Weg, auf dem die Evangelische Kirche in Deutschland unterwegs ist. Bis vor kurzem war es vielerorts noch ungeschriebene Dienstvorschrift, dass sich Gemeindearbeit aus „den Sozialen Netzwerken“ herauszu…. […]

  3. Martin sagt:

    „…einem Glossar, in dem Begriffe ‘WLAN’, ‘Suchmaschine’, ‘Smartphone’ erklärt werden […]“

    Wow. Das erinnert mich an das Zitat, das ich neulich von irgendwem las: Nur 10% der Menschen (ich denke, er bezog sich auf die „westlichen“ Gesellschaften“) lebten im 21. Jhdt, 20% im 20. Jdht. und der Rest noch irgendwo davor. In christlichen Kreisen dürfte die Spitze der Pyramide evtl. noch mal schmaler sein und ich bewundere Deine Geduld, mit diesen Ungleichzeitigkeiten umzugehen.

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