Über Bibelübersetzungen II

Heute war mal die Gute Nachricht dran in meiner Examensvorbereitung.

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Zitat aus einem guten Text von Heidemarie Salevsky (Übersetzungstyp, Übersetzungstheorie und Bewertung von Bibelübersetzungen. In: Bibelübersetzung heute, Stuttgart 2001, S. 119-150) – Es geht wie gesagt um die Gute Nachricht:

Das erklärte Ziel der Übersetzung: Orientierung auf eine „breitgestreute Zielgruppe“. Das bedeutet unmittelbare Verständlichkeit als oberstes Prinzip, das Auskommen ohne Erläuterungen (lediglich einige Fußnoten) und wo nötig die Bereitschaft, die Form der Verständlichkeit zu opfern. Es wird kein gehobenes Gegenwartsdeutsch, keine poetische Qualität des Zieltextes angestrebt, sondern die Verwendung von Alltags- bzw. Umgangssprache als Basis größtmöglicher Verständlichkeit. Damit sind eindeutig missionarische Zwecke verbunden (das unmittelbare Ansprechen der heutigen Menschen in ihrer Sprache.)

Höre nur ich das heraus oder ist es auch so gemeint, dass die zu missionierenden Heiden nur alltags- und umgangssprachlich zu erreichen sind? In diesem Zusammenhang klingt der fettgedruckte Rückschluss am Ende des Absatzes nämlich wie eine pauschalisierende Abwertung des Intellekts aller Nicht-Christen. Als hätten sie keine Wertschätzung für sprachlich anspruchsvollere Übersetzungen oder vermögen diesen nicht zu folgen. Ohne Zweifel hat die Gute Nachricht eine missionarische Grundabsicht (nicht zuletzt weil am Gemeinschaftswerk der Übersetzung auch Freikirchen beteiligt waren, die diese Intention miteinbrachten), Ziel war jedoch eine „breitgestreute Zielgruppe“ zu erreichen, nicht besonders die (Noch-) Nicht-Christen mit einer einfach verständlichen Bibel zu missionieren, da sie anderen Übersetzungen nicht folgen können. Diese Logik ist einzig und allein ein Rückschluß von Heidemarie Salevsky.

Ein Gedanke zu »Über Bibelübersetzungen II«

  1. achti76 sagt:

    Das les ich nicht so.
    Der Grund, warum es die Volxbibel gibt, ist der, dass selbst in der GN noch zu viele religiöse Fachbegriffe vorkommen. Der 16jährige Mehmet aus Köln-Ehrenfeld denkt bei „Heiliger Geist“ an Schnapps. Und „Gnade“ hat er noch nie gehört.
    Von daher würde ich eher fachfragen, ob die GN ihrem (Selbst-??)Anspruch gerecht wird. Ich denke, sie erreicht nur diejenigen, die schon eine religiöse Vorprägung haben.

    Viel Erfolg übrigens!
    Kannste mir die Literaturlisten etc. mailen?

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