#digitalekirche – Kirche neu denken

Im Rahmen des Ökumenischen Kirchentags 2021 in Frankfurt fand  am 15.05.2021 ein Workshopcamp zum Thema „#digitale Kirche – Einmal durch das Netz“ statt. Dies ist das Manuskript des Impulsvortrags, den ich dort eröffnend gehalten habe.

 

#digitale Kirche – Kirche neu denken

 

Ein Workshopcamp zur digitalen Kirche. Und ich darf jetzt in sieben Minuten zum Thema „Kirche neu denken“ eröffnen. „Kirche neu denken“ – dazu werde ich in drei Schritten vorgehen:
Erstens: was ist Kirche, zweitens: was ist Digitalisierung bzw. Digitalität und dann drittens: was ist digitale Kirche/ was ist Kirche im digitalen Zeitalter?

1.      Was ist Kirche?

Da antworte ich, aufgrund eigener Erfahrung und Zugehörigkeit, mal ganz in evangelischer Linie (und bitte aber alle Brüder und Schwestern anderer Konfessionen, ihre jeweils eigene Theologie und Tradition ergänzen):
Als evangelische Theologin antworte ich auf die Frage „Was ist Kirche“:
Kirche ist creatura verbi, aus Gottes Wort entstanden, auf der Spur der Guten Botschaft von Jesus Christus. Das, was sich da als Kirche zeigt, manchmal sichtbar, manchmal unsichtbar, ist geprägt durch die Versammlung der Gläubigen und durch das Evangelium sowie die Sakramente, die darin ihre Kraft entfalten. Das wäre jetzt die theologische Schlauschnackerantwort.
In der letzten großen Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung wurden Menschen auf der Straße nach Kirche gefragt „Was fällt Ihnen ein, wenn Sie ‚Evangelische Kirche‘ hören“. Geantwortet wurde da: „Gottesdienste, Kirchengebäude, religiöse Praxis…“ Ich denke, die Umfrageergebnisse wären in Bezug auf die anderen christlichen Konfessionen ähnlich.
Und schon merken wir, dass die nüchterne theologische Definition von Kirche und das, was Menschen auf der Straße landläufig unter „Kirche“ verstehen, sehr auseinander geht.
Plakativ gesagt: Kirche ist, wo sonntags um 10:00 Uhr die Orgel spielt und schön gepredigt wird. Also ein Kirchenbild, das stark von äußerlichen Formen und Formatierungen abhängt. Und auf der anderen Seite, die wissenschaftlich-theologische Definition: Kirche ist alles, was aus dem Wort Gottes entsteht, wenn Menschen Jesus von Nazareth nachfolgen. Jede Versammlung/ Gemeinschaft/ Vernetzung der Gläubigen, die ihre Kraft aus Gottes Wort und Sakrament zieht…
Somit: Was ist Kirche? Kirche ist viel mehr als unser landläufig geprägtes Kirchenbild. Kirche ist auch, wo der Geist weht und in der Nachfolge Jesu, Gemeinschaft vielleicht ganz neu und anders entstehen lässt.
Gut. Und dann gibt es ja diese #digitaleKirche. Was ist denn so digital an der digitalen Kirche? Somit komm ich zum zweite Schritt:
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Simul iustus et plagiator

 

In der letzten Zeit ist mir häufiger bei der morgendlichen Twitterlektüre der ein oder andere nette Tweet aufgefallen, den ich dann im Laufe des Tages in meiner Timeline mehrfach wiederfand – nur unter verschiedensten Urheberschaften anderer Accounts.

Wir kennen die Copy & Paste Kultur bei wissenschaftlichen Arbeiten, aus der Entwicklung neuer elektronischer Produkte und eben auch aus den sozialen Medien. Somit ist das eigentlich nichts wirklich neues. Mir geht es gar nicht so sehr um die rechtliche Ebene: die Urheberrechtsverletzung und den Diebstahl geistigen Eigentums. Dazu gibt es schon genug Beiträge.

Mir fällt nur auf, dass bisher wenig (wenn nicht gar nicht) über die anthropologische Ebene gesprochen wurde: Was für ein Bild habe ich von mir und meiner Selbstinszenierung im Netz und auch, welches Bild von „vernetzter Antropologie“ zeigt sich in meinem kommunikativen Miteinander? Was sagt es über mich und meine Vorstellung vernetzter Kommunikationsprozesse in den sozialen Medien aus, wenn ich mich ständig mit fremden Lorbeeren schmücke und bei Twitter und Facebook Favs und Likes abgreife, die ich nur dem Ideenklau zu verdanken habe? Eine solche Copycat Mentalität bereichert sich nicht nur unberechtigt selber, sondern zeigt auch keinerlei Respekt und Wertschätzung den Urhebenden gegenüber.

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Lasset uns tweeten

In Bremen gibt es seit 2013 einen Religionsphilosophischen Salon. Anders als die Salons im 19. Jahrhundert, trifft man sich nicht in privaten Wohnzimmern, sondern in den Räumen der St. Remberti-Gemeinde Bremen. Der Salon ist für alle offen und versteht sich als Ort, an dem nach Herzenslust Philosophie getrieben werden kann und Themen aus der liberalen Theologie Raum bekommen. Durch die Themen und Referenten sowie eine kreative musikalische Gestaltung entstehen spannende Formate. Es gibt Wein und ausreichend Gelegenheit zum Austausch.

 

sandrabilskirchehochzwei

 

 

Am 29. Mai 2015 darf ich ab 19:30 beim Religionsphilosophischen Salon zum Thema Kirche und Social Media sprechen. 

Vielleicht sehen wir uns dort ja. Come by, say hi.

29. Mai 2015 um 19:30
St. Remberti-Gemeinde Bremen (Albert-Schweizer-Saal), 
Friedhofstraße 10, 28213 Bremen

 

Kommunikation des Evangeliums: Ein Wunsch

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Nach den Katholiken versammeln sich nun auch die Protestanten dieser Tage synodal. Die Synode der EKD trifft sich vom 06.-12. November 2014 in Dresden zu Beratungen um das Thema „Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft.Ich darf dort am 07. November von Kirchehochzwei als digitalem Praxisbeispiel berichten.

 

Flashback

Die Einladung hat mich sehr gefreut. Denn ich erinnere mich noch gut, dass man mir im Vikariat verbot … eindringlich nahelegte, meine Internetpräsenz in Form meines Blogs und die Nutzung von Twitter einzustellen oder mindestens stark einzuschränken. Ich habe den Mix aus dienstlicher Anweisung und (Zitat:) „gutem Rat“ damals nicht verstanden, geschweige denn die Herleitung und inhaltliche Begründung, dieser Entscheidung. Sie beschnitt mich in meinen Gaben, meinem privaten Interesse und in dem, was ich für eine (neben vielen anderen) legitime Form der Glaubenskommunikation hielt und halte.

Jetzt, nur acht Jahre später, darf ich vor der Synode zu diesem Thema als Expertin sprechen und werde im Lesebuch, dass anlässlich der Synode herausgegeben wurde, als Beispiel erwähnt (übrigens in der Rubrik „Praxistipps für Gemeindemenschen, stilvolle Grafiken und freche Cartoons zur Frohen Botschaft“). Ich spüre einen Haltungswandel. Die Entscheidung der EKD, Netzaffinität mit christlicher Nachfolge (und Mission?) in Beziehung zu setzen und sich im wichtigsten Gremium der evangelischen Kirche in Deutschland damit zu befassen, berührt mich.

Jetzt, nur acht Jahre später, veröffentlicht die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands eine Stellenausschreibung, in der sie einen Social-Media Koordinator suchen. Explizit! Keinen Öffentlichkeitsarbeiter, der „ein bißchen Facebook macht“ oder einen Pressemenschen, „der sich auch um die Homepage kümmert“. Nein, explizit einen „Social-Media Koordinator“.

Jetzt, nur acht Jahre später, lädt das Haus Kirchlicher Dienste der Hannoverschen Landeskirche für ihre jährliche Referentenkonferenz acht Social-Media Experten aus dem inner- und außerkirchlichen Bereich ein, um einen Austausch rund um das Themen Social Media anzuregen und alle Referenten qualifiziert schulen zu lassen. (Das herausragende Eingangsreferat des Tages findet sich hier).

Nur drei Beispiele, über die ich mich aufrichtig freue!
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