Israel Flashback

Ich habe am 1.Weihnachtsfeiertag predigen dürfen. Der Text der ersten Reihe war die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2. In der Predigt habe ich Eindrücke aus meinem Israelaufenthalt im letzten Jahr eingeflochten. Eigentlich wollte ich sie nicht bloggen, aber in Nachrichten höre und lese ich ständig von Israel. Ständig muß ich daran zurückdenken…

Hier die Predigt:

Wie geht es Ihnen, liebe Gemeinde? Sind sie erschöpft von Heiligabend gestern? Ist die Stimmung, die Weihnachten erst so richtig zu Weihnachten macht, schon wieder vorbei? Ist der Alltag wieder in Ihre Familien eingekehrt? Geschenkpapier schon im Altpapierkorb, Geschirrspüler voll mit den dreckigen Tellern des Festtagsessens gestern. Ist schon wieder Alltag eingekehrt, in dem sich die Kinder um die neue Spielkonsole streiten, die ersten Geschenke schon wieder langweilig geworden oder zu Umtausch bereit gelegt worden sind?
Der heutige Predigttext nimmt uns noch einmal mit in die Weihnachtsgeschichte. Noch mal den Text aus dem Lukasevangelium, das wir gestern als Weihnachtsgeschichte gehört haben.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war.

In mir steigen Bilder hoch auf dem Frühjahr diesen Jahres. Eine Studienreise. Wir sitzen zusammengefercht in einem kleinen staubigen Bulli. Die Musik aus dem Radio dröhnt blechern israelische Volkslieder. Aus dem Fenster weht ein kühler und angenehmer Luftzug hinein. Es ist ganz schön heiß. Unsere Köpfe schaukeln, als wir über die schlechte Straße in Richtung Bethlehem fahren. Hinter einer kahlen Hügelkette sieht man schon die massive Mauer. Sie trennt Israel von Palästina. Und somit Jerusalem von Bethlehem. Wenn die Mauer ganz fertiggestellt ist und die letzten Lücken geschlossen sind, wird sie 760 km lang sein.
Wir kommen an den Grenzübergang. Alle müssen aus dem Bulli aussteigen. In einem Gebäude auf dem „Checkpoint“ steht, müssen wir durch Schleusen und Metalldetektoren. Drehkreuze, Überwachsungskameras, Polizisten und Soldaten mit Maschinengewehren. Wir zeigen mehrmals unsere Pässe vor und dürfen passieren.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Auf der anderen Seite der Mauer angekommen, machen wir erste Schritte auf dem Boden des palästinensischen Autonomiegebiets. Ein Bulli fährt uns nach Bethlehem hinauf. Am Hang sind schon die ersten Häuser der Siedlung zu sehen. Enge Gassen, viel Staub und Armut.
Durch die Mauer sind viele Bethlehemer von der Außenwelt abgeschnitten. Von Freunden, Arbeit, Wasserstellen. Einige versuchen aggressiv den wenigen Touristen Andenken und Souvenirs zu verkaufen. In der kühlen Geburtskirche dann auch keine Ruhe. Römisch-katholische, armenische, griechisch-orthodoxe Priester feiern in unterschiedlichen Seitenschiffen der Kirche Gottesdienste und versuchen sich gegenseitig zu übertönen.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

Ein Sprachgewirr verschiedener Reisegruppen fülllt den Raum. Überall blitzen Fotoapparate. Videokameras schwenken in jede Ecke. Reiseführen stehen umringt von Touristen im Mittelschiff und erklären die Architektur der Kirche aus dem dritten Jahrhundert. Dass sie errichtet sei auf dem vermuteten Ort der Geburtstätte Jesu. Mehrfach zerstört, immer wieder aufgebaut, unzählige Male erweitert.

Wir gehen ein paar Stufen hinab in die Krypta der Kirche. Dort herrscht Gedränge. Eine Reisegruppe drängt sich um den einen kleinen Schrein. Im Boden ist ein silberner Stern eingelassen, auf ihm steht eingraviert: Hier wurde Jesus Christus von der Jungfrau Maria geboren. Die älteren Damen ziehen kleine Tücher aus ihren Handtaschen. Wischen damit über den Stern und verstauen sie dann wieder in kleinen Gefrierbeutelchen. Vielleicht um sie später als Souvenir oder Reliquie zu verkaufen. Andere knien nieder und küssen den Stern. Ein koptischer Mönch hält neben dem Gedränge Wache. Wer ihm einen Dollarschein zusteckt erhält ein kleines Andenkenkärtchen als Beweis an diesem heiligen Ort gewesen zu sein.
Ich bin froh, als ich aus dem Gerangel der Krypta wieder an Tageslicht trete.

Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Ich war von Bethlehem enttäuscht. Es war so gar nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Erträumt und erhofft hatte.
Bethlehem, das war für mich vorher ein kitschig romantischer Ort, nicht staubig mit drückender Hitze, wo politische Probleme und Verzweiflung spürbar sind. Kein Ort, wo Religion vermarktet wird voll Gedränge und Stimmengewirr.
Dort wo Gott am lautesten angekündigt wurde fühlte ich mich ihm besonders fern. Oder zumindest nicht näher als anderswo.
Meine Erwartungen von Bethlehem waren enttäuscht aber ich habe dort etwas gelernt.
Es liegt an uns, welches Bethlehem wir suchen und finden.
Gottes Bethlehem in deinem Leben braucht keinen Ort auf der Landkarte, keine Krypta mit silbernem Stern. Gottes Bethlehem ist der Ort, wo Gott dir geboren wird, wo du Gott neu entdeckst. Du für dich. Im Alltag – Vielleicht da wo du ihn nicht unbedingt vermutest. Vielleicht gerade in den Tagen nach Weihnachten jetzt. Vielleicht gerdae dort, wo das Geschenkpapier schon weggräumt ist und der Weihnachtsbaum schon Nadeln verliert.
Bethlehem ist der Ort, Gottes Friede dich berührt, die Stille dich beglückt, die Liebe sich dir schenkt.

Es ist dein Ort, wo du verstehst: Gott wird Mensch, will dein Bruder werden – dort ist Bethlehem.

Examensarbeit und Homiletische Probe

Nachdem dass Prüfungsverfahren nun ja abgeschlossen ist, möchte ich gerne meine Examensarbeit zur Verfügung stellen.

Download: Examensarbeit-kirche-als-marktplatz (Sandra Bils)

Sie hat den Titel „Gottesdienst als Marktplatz. Was können landeskirchliche Ortsgemeinden von Sunday Plaza lernen?“ und untersucht das gottesdienstliche Treffen Sunday Plaza der Netzwerkbewegung X-Stream in der Schweiz. Die Ergebnisse der Beschreibung, in deren Untersuchung auch viel Emergentes eingeflossen ist, werden dann mit der landeskirchlichen Situation in Beziehung gesetzt und anhand von Kriterien miteinander vergleichen und bewertet. Mein Ziel war, ein Beispiel emergenter Gemeindestruktur wissenschaftlich darzustellen und für landeskirchliche Verhältnisse nutzbar zu machen.

Weiter möchte ich auch meine homiletische Probe (Examenspredigt und Ausarbeitung) ins Netz stellen. Vielleicht hat ja jemand Bedarf und Interesse und möchte sich informieren. Es handelte sich um 2. Thessalonicher 3,1-5. Der Text war im Rahmen der VI. Reihe Predigttext am 5. Sonntag nach Trinitatis:
Examenspredigt 2Thess 3,1-5

Download: Examenspredigt-2Thess-3,1-5 (Sandra Bils)

 

ÜberFeedback würde ich mich freuen.

Grandiose Tage liegen hinter mir

Voller Dankbarkeit blicke ich auf mein 2.Kirchliches Examen und einen gestrigen Geburtstag zurück und fühle mich mehr als beschenkt.
Die vier Wochen Prüfungsvorbereitung, die am 03.12 in einen kleinen Prüfungsmarathon von 6 Prüfungen innerhalb von 10 Std. mündeten haben sich gelohnt. Ich konnte Angeeignetes und Gelerntes wiedergeben und hatte sogar Spaß dabei. Notenmäßig hat es sich auch gelohnt. Ich habe nun mit einer glatten zwei (11 Punkte) Studium und Vikariat abgeschlossen. Wunderbar! Ich bin mehr als zufrieden und kann es immer noch nicht fassen.

 

Über Bibelübersetzungen II

Heute war mal die Gute Nachricht dran in meiner Examensvorbereitung.

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Zitat aus einem guten Text von Heidemarie Salevsky (Übersetzungstyp, Übersetzungstheorie und Bewertung von Bibelübersetzungen. In: Bibelübersetzung heute, Stuttgart 2001, S. 119-150) – Es geht wie gesagt um die Gute Nachricht:

Das erklärte Ziel der Übersetzung: Orientierung auf eine „breitgestreute Zielgruppe“. Das bedeutet unmittelbare Verständlichkeit als oberstes Prinzip, das Auskommen ohne Erläuterungen (lediglich einige Fußnoten) und wo nötig die Bereitschaft, die Form der Verständlichkeit zu opfern. Es wird kein gehobenes Gegenwartsdeutsch, keine poetische Qualität des Zieltextes angestrebt, sondern die Verwendung von Alltags- bzw. Umgangssprache als Basis größtmöglicher Verständlichkeit. Damit sind eindeutig missionarische Zwecke verbunden (das unmittelbare Ansprechen der heutigen Menschen in ihrer Sprache.)

Höre nur ich das heraus oder ist es auch so gemeint, dass die zu missionierenden Heiden nur alltags- und umgangssprachlich zu erreichen sind? In diesem Zusammenhang klingt der fettgedruckte Rückschluss am Ende des Absatzes nämlich wie eine pauschalisierende Abwertung des Intellekts aller Nicht-Christen. Als hätten sie keine Wertschätzung für sprachlich anspruchsvollere Übersetzungen oder vermögen diesen nicht zu folgen. Ohne Zweifel hat die Gute Nachricht eine missionarische Grundabsicht (nicht zuletzt weil am Gemeinschaftswerk der Übersetzung auch Freikirchen beteiligt waren, die diese Intention miteinbrachten), Ziel war jedoch eine „breitgestreute Zielgruppe“ zu erreichen, nicht besonders die (Noch-) Nicht-Christen mit einer einfach verständlichen Bibel zu missionieren, da sie anderen Übersetzungen nicht folgen können. Diese Logik ist einzig und allein ein Rückschluß von Heidemarie Salevsky.

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