God provides

Eine sehr prägende Zeit war für mich das Promotionsstudium an der George Fox University in Portland, USA. Neben Gemeindepfarramt und später Kirchehoch2 habe ich dort von 2012-2015 berufsbegleitend studiert. Neben der wissenschaftlichen Arbeit an der Dissertation war auch die Gemeinschaft mit den internationalen Kommiliton*innen prägend.

Zum einen sind Freundschaften entstanden, die bis heute anhalten, zum anderen haben mich manche Erfahrungen auch geistlich geprägt.

Auf einer Exkursion nach Südafrika 2014 waren wir an einem Abend in Kapstadt mit einer kleinen Gruppe in einem südafrikanischen Restaurant. Es gab fabelhafte lokale Küche und dazu noch wunderbare Gespräche. Wir waren alle so unterschiedlich und durch unser Interesse und unsere Neugier aneinander gab es immer viel zu fragen, zu lernen, zu erzählen. An eine Begebenheit erinnere ich mich besonders:

Als wir im Restaurant Platz genommen und bestellt hatten und nun auf Getränke und Gerichte warteten, schlug ein indischer Kommilitone vor, schon mit dem Tischgebet zu beginnen, um die Wartezeit zu überbrücken. Wir alle senkten die Köpfe, schlossen die Augen und es wurde wortreich und ausführlich gebetet.

Als wir die Gebete mit einem kräftigen AMEN beschlossen und die Augen wieder öffneten, stellten wir fest, dass ein Kellner in der Zwischenzeit die Getränke serviert hatte. Einer Kommilitonin, die erstaunt nun einen ausladend dekorierten Cocktail vor der Nase hatte, entfuhr es: „God provides.“

 

2019

Wenn ich auf das zurückliegende Jahr 2019 schaue, kann ich wirklich sagen, dass es beruflich durchaus herausfordernd war. Ich habe selten so komprimiert Höhen und Tiefen in so kurzer Zeit und so unvorhersehbar extremen Amplituden erlebt. Schönes – Trauriges. Vertrauen – Misstrauen. Überforderung – Unterforderung. Zu viel – zu wenig. Gewinnen – Verlieren.

Das alles ist an mir nicht spurlos vorübergegangen.

Das Ende meines Dienstes bei Kirchehoch2 ist vielleicht eine Fassette. Es deutete sich bereits länger an, war dann jedoch in der Konsequenz und den Umständen wirklich … schmerzhaft für mich. Dankbar bin ich rückblickend besonders für die Kollegialität und Freundschaft meiner katholischen Brüder und Schwestern und mancher evangelischer Wegbegleitenden.

Der Kirchentag war vielleicht ein Amplitudenausschlag in die andere Richtung. Noch immer bin ich sehr dankbar für die Einladung, im Schlussgottesdienst des Kirchentages zu predigen. Schon die Predigtvorbereitung war ein prägender geistlicher Prozess und hat besonders in den Umständen dieses Jahres gut getan. Kein Predigttext hätte besser passen können.

 

35 Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. 

36 Geduld habt ihr nötig, auf dass ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. 

(Hebr 10,35-36)

Irgendwie sind diese zwei Verse für mich zur persönlichen Jahreslosung 2019 geworden. Sie haben mich getragen und manchmal auch motiviert.

 

Altjahresabend

Wenn ich jetzt auf das Jahr zurückblicke, dann ist da viel Dankbarkeit für das Anvertraute und Gewonnene, aber durchaus auch manches Schmerzhafte, Unversöhnte und Verletzte, das ich dann auch gerne mit dem Jahr 2019 beschließen möchte.

Was mich trägt und hoffnungsfroh ins Jahr 2020 schauen lässt, sind die üppigen Cocktails, die Gott schon vor unsere Nase stellt, während wir noch mit geschlossenen Augen und gesenktem Kopf in Gedanken ganz woanders sind.

Werft eurer Vertrauen nicht weg: God provides!

Allen einen guten Start in ein gesegnetes 2020.

Friedensbibel

Hier mein kleiner Text, den ich für die sogenannte „Friedensbibel“ beigesteuert habe.

Auf ihrer kommenden Sitzung wird sich die EKD-Synode in Dresden (10. bis 13. November 2019) schwerpunktmäßig mit dem Thema Frieden beschäftigen: „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“. Daher gibts seit Pfingsten bis zur Synode im November jeden Sonntag einen Mini-Friedenstext.

Andere tolle Kolleginnen und Kollegen, wie Birgit Mattausch, Fabian Vogt, Nora Steen und Christina Brudereck haben auch bereits beigesteuert.

 

Mein Text zu Daniel 10,19

Fürchte dich nicht, Schatz! Frieden sei mit dir! Sei stark und nochmals stark! Als er so mit mir redete, wurde ich gestärkt und sagte: Möge mein Herr reden! Ja, du hast mich gestärkt.)
Daniel 10,19
(Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache)

 

Im Friedensgruß geht es nicht nur um mein Gegenüber, sondern auch um mich selbst. Ähnlich wie bei „Liebe deinen Nächsten und Deine Nächste wie dich selbst“ rutsche ich mir nur oft selbst aus dem Fokus. Der Friede, den ich anderen wünsche, fängt jedoch bei mir an. (mehr …)

Werft euer Vertrauen nicht weg

Am 23.06.2019 habe ich anlässlich des Schlussgottesdienstes des 37. Kirchentages im Dortmunder BVB Station über Hebr. 10,35-36 predigen dürfen.

Eine Aufnahme des gesamten Gottesdienstes findet sich in der Mediathek des ZDF.

 

Predigtmanuskript

(English version of the sermon below)

 

Einstieg

Letztens jemand beim Bier zu mir:

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Magnifi-WHAT?

Am dritten Advent wird in der Gospelkirche Hannover traditionell immer von einer Gastpredigerin zum Magnifikat gepredigt. In diesem Jahr durfte ich meine Gedanken zu diesem tollen Text teilen.

Friede sei mit euch, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen

I. Magnifi-WHAT?

Wer schon mal in Taizé war, kennt das Magnifikat vielleicht von dort und wird es auch wahrscheinlich noch Wochen danach im Ohr gehabt haben. Magnificat – Magnificat – Magnificat animima mea dominum…
Das ist dieses Ohrwurmpotential der Lieder aus Taizé – das durchaus ambivalent ist. Man saugt die Lieder dankbar ganz tief in sich hinein aber man wird sie dann auch eben nicht wieder los.
So ist es auch mit dem Magnifikat. Dem Loblied Marias aus dem ersten Kapitel des Lukasevangeliums, darum soll es heute in der Predigt gehen.

Setting: Maria besucht ihre schwangere Freundin Elisabeth und nachdem Elisabeth von Maria erfährt, dass auch sie schwanger ist, reagiert sie überschwänglich voller Freude und Gratulationen und scheint auch irgendwie schon deutlich zu spüren, was für ein besonderes Kind da gerade in Maria heranzuwachsen scheint.

Diese Szene hat für mich fast schon so etwas wie ein Musical. Denn aus Maria platzt es heraus: ein Lied. Eben dieses Magnifikat.
Ich stelle mir das fast so ein bisschen wie Bollywood vor, wo zwei Hauptfiguren gerade noch normal im Gespräch sind und vollkommen unvermittelt wird auf einmal getanzt und gesungen. Zwei schwangere Frauen singen und tanzen, voller Freude. Babyshower der besonderen Art.
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